Perlen

… sind eines der ältesten Schmuckstücke des Menschen!

Perlen sind schon seit Jahrhunderten begehrt und geschätzt. In chinesischen Überlieferungen wurde die Perle schon seit 2300 v. Chr. als kostbarer Besitz von Adeligen und als Geschenk für Könige und Kaiser erwähnt.

Perlen gehören nicht zum Mineralreich, sie sind ein tierisches Produkt. Seit Jahrtausenden werden sie als Edelstein bewundert. Vor allem ist es der seidige Schimmer, der sogenannte Lüster, der die Perle von anderen Edelsteinen abhebt.

Perlen sind das Erzeugnis von Muscheln, und bestehen aus Perlmutt (auch Perlmutter, vgl. englisch mother of pearl). Es gibt Perlen in vielen verschiedenen Farben, von weiß über creme, gold, roséfarben bis hin zu schwarz. Die meisten Perlen sind silbrig glänzend.

Perlen entstehen als Ergebnis einer Reaktion gegenüber Fremdkörpern, die in das innere der Muschel eingedrungen sind. Die Muschel kapselt sie ab, indem sie diese in Perlmuttsekret einschließt.

Natürliche Perlen und Zuchtperlen

Nur äußerst selten entstehen Perlen, die in Form, Farbe und Oberflächenbeschaffenheit für Perlenschmuck geeignet sind, auf rein natürliche Art und Weise. Deshalb stammen die meisten Perlen mittlerweile aus der Perlenzüchtung. Solche Zuchtperlen sind genauso „echte“ Perlen wie Naturperlen. Der Unterschied zwischen Perlen und Zuchtperlen liegt darin, dass der Fremdkörper bei Zuchtperlen absichtlich in die Muschel implantiert wird. Dem natürlichen Entstehungsprozess einer Perle wird also etwas nachgeholfen. Die Bildung der Perle verläuft bei Zuchtperlen danach aber genauso wie bei Naturperlen – nur der Beginn des Prozesses ist unterschiedlich.

Die steigende Nachfrage nach Perlen hat dazu geführt, die natürliche Perlenproduktion durch Züchtung von Perlmuscheln zu ergänzen. Solche Zuchtperlen (auch Kulturperlen genannt) sind keine Imitationen, sondern ein, unter Mitwirkung des Menschen, entstandenes Naturprodukt. Zuchtperlen machen heute mehr als 90% des gesamten Perlenhandels aus.

Was die Natur nur vereinzelt zuwege bringt, nämlich Fremdkörper in die Muscheln einzulagern, bewirkt der Mensch bei den Zuchtperlen ganz gezielt, indem er mit komplizierter Operation Fremdteile in das Bindegewebe der Muschel einführt. Nach 3- 4 Jahren hat sich eine Schale von 0,8-1,2 mm um den Fremdkern gebildet. Meeresmuscheln produzieren nur bis zum 7. Lebensjahr, danach hört die Perlmuttausscheidung auf. Ein Muscheltier der Meerwassergattungen kann gewöhnlich nur einmal verwendet werden. Kerne über 9 mm Größe führen zu einer sehr hohen Sterblichkeit der Muscheln. Nach Entfernen der Perle stirbt sie ab. Es bedarf also einer umfangreichen Nachwuchszüchtung für spätere Perlenkulturen. Äußerlich wirkt diese Zuchtperle wie eine "echte Perle", sie hat den gleich hohen Glanz, den gleichen Lüster. Mit dem Auge sind beide Perlarten nicht zu unterscheiden. Spezielle Durchleuchtungsgeräte zeigen den Unterschied.


Die Bewertung der Perlen erfolgt nach Form, Farbe, Größe und Glanz.

Das Bohren der Perlen erfordert große Sorgfalt. Die Weite der Bohrung soll nach internationaler Vereinbarung 0,3 mm betragen. Zum Aufstiften von Ohrgehängen, Nadeln oder Ringen genügt eine Bohrung, die kurz über den Mittelpunkt der Perle hinausgeht. Kugelform wird bei den Perlen am meisten geschätzt. Halbrunde Perlen, als Warzenansatz auf der Innenseite der Muschelschale oder durch Abgliedern minderwertiger Teile einer Perle entstanden, werden gewöhnlich für Broschen und Ohrgehänge verwendet oder aber durch andere Halbkugeln zu Vollperlen ergänzt. Unregelmäßig geformte Perlen heißen Barockperlen. Sie wurden in der Renaissance- und der folgenden Barockzeit häufig mit Edelmetallen und Emaille zu Schmuckstücken kombiniert.

Perlen bedürfen mehr Pflege als die meisten anderen Edelsteine. Da sie in der Hornsubstanz einen organischen Bestandteil besitzen, können sie altern. Bei den einen äußerst sich das in Fleckenbildung, bei anderen im Erlöschen des Glanzes, manchmal zeigen sich auch Risse in der Perlenhaut. Zu große Trockenheit und zu hohe Feuchte schadet ihnen. Alle Arten von Kosmetika und Waschmitteln sollte man von ihnen fernhalten. Körperschweiß ist schädlich. Eine Kontrolle und pflege, durch einen Fachbetrieb wird die Lebensdauer der Perlen verlängern.

Seit den fünfziger Jahren gibt es auch eine Süßwasserperlenzucht. Die hier produzierten Perlen sind im allgemeine zwar größer, aber selten gut gerundet. Bedeutendstes Binnengewässer mit Perlenzucht ist der Biwa-See auf der Insel Honshu in Japan. Nach ihm wird die Süßwasserzuchtperle auch Biwa- oder (nach dem japanischen Namen für See) Biwacoperle genannt.


Der Kauf

Der Kauf von Zuchtperlen ist Vertrauenssache.

Gerade wenn Sie Ihr erstes Perlen-Collier, Ihren Perlenschmuck erwerben möchten, sollen Ihnen diese Empfehlungen helfen. Fünf Merkmale sollten Sie auf jeden Fall beim Kauf Ihres Zuchtperlen-Colliers beachten:

Die Größe

Sie variiert bei Akoya-Zuchtperlen heute von 3 mm bis 10 mm, sie sollte in Verbindung mit der gewählten Länge zu ihnen Passen. Der Preis steigt mit dem Durchmesser, vorausgesetzt die anderen Qualitätskriterien sind konstant.

Die Farbe

Sie sollte auf den Hauttyp der Trägerin abgestimmt werden. Meist werden weiße oder weiß-roséfarbige Perlenketten gewünscht, und die hohe Nachfrage bestimmt den Preis. Aber gerade dann, wenn die Ketten lang getragen werden sollen, oder wenn Ihr Hauttyp nicht extrem hell ist, empfehlen wir Ihnen Zuchtperlen mit einer champagnerfarbenen Tönung, selbst ein cremefarbener oder grünlicher Unterton kann dann ausgesprochen reizvoll und ein sehr guter Kauf sein.

Der Lüster

Ihm müssen Sie beim Perlenkauf vorrangige Beachtung schenken. Ein guter Lüster ist wichtiger als Form, Farbe und Größe. Denn er hängt im wesentlichen von der Stärke der Beschichtung, der Qualität der Oberfläche der Perle ab. Je besser der Lüster, desto wertvoller erstrahlt das Collier an Ihrem Hals.

Die Form

Da heute "off-round" Perlen, seien es Südsee, Akoya oder Süßwasser, der Individualität in der Mode mehr und mehr entsprechen, hat die einstmals geforderte perfekt runde Form von Zuchtperlen an Bedeutung verloren. Lüster und Beschichtung haben Vorrang gewonnen.

Die Oberfläche

Gerade ihre Beurteilung erfordert die Fachkenntnis des Experten. Kleine Unregelmäßigkeiten mögen die Wertigkeit der Perle geringfügig mindern, sie sind jedoch typisch für dieses Naturprodukt.


Besondere Perlen

Die Hope-Perle

Die Hope-Perle gilt als die berühmteste Perle der Welt und hat die Maße 150 mal 83 mal 50 mm. Sie wiegt 1.816 Grains, das entspricht 454 Karat.
Gefunden wurde sie wahrscheinlich im Indien des 17. Jahrhunderts. Auf verschlungenen Pfaden gelangte sie in den Besitz des französischen Sonnenkönigs Louis XIV. Sie hat die Form eines leicht birnenförmigen Zylinders. Der Londoner Bankier Henry Hope erwarb sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Immer wieder war sie das Kernstück von Ausstellungen, denn ihre ungewöhnliche Form sowie die schiere Größe (eine Länge von 15 Zentimetern an der längsten Stelle) machen sie zu einer besonderen Attraktion. Das gute Stück steckt in einer goldenen Fassung in Form einer Krone. Derzeit befindet sie sich vermutlich (denn über Geld spricht man ja bekanntlich nicht) im Besitz des Prinzen Al Tajir, der sie 1974 für nur 200.000 US-$ erworben hatte. Heute dürfte der Wert ein Vielfaches betragen.

La Peregrina

"La Peregrina" ist nach der Hope-Perle die wohl berühmteste Perle der Welt. Ihr Name bedeutet die "Pilgerin", weil sie mittlerweile auf eine 500jährige Geschichte zurückblicken kann, die ihren Anfang zu Beginn des 16. Jahrhunderts nahm. Diese Perle war schon im Besitz von Königshäusern sowie Elizabeth Taylor. 2011 wurde die 50,96 karätige (= 10,2 Gramm oder 203,84 Grains) "La Peregrina"-Perle für 11,8 Millionen Dollar verkauft.

La Regente

"La Regente" ist mit 337 Grains (1 Grain = 1/20 Gramm) eine der grössten Perlen der Welt. Napoléon I. schenkte diese Perle seiner Frau zur Geburt seines Sohnes. Die Perle gehörte später zum französischen Kronschatz und wurde vom Juwelier Fabergé 1887 ersteigert; diese wurde daraufhin an Fürstin Jussupow, eine leidenschaftliche Perlensammlerin, weiterverkauft. 1917 war sie im Besietz ihres Sohnes, des Prinzen Felix Yusupov. Wahrscheinlich gelang es ihm nicht, die Perle (so wie die Pelegrina) außer Landes zu bringen, und sie wurde möglicherweise in den zwanziger Jahren von der Sowjetunion zusammen mit anderen beschlagnahmen Prezisioren verkauft. Dem Katalog von Christie's ist zu entnehmen, dass der Verbleib der Perle über siebzig Jahre hinweg unbekannt gewesen ist.

Der französische Historiker Bernard Morel weist in seiner Beschreibung der französichen Kronjuwelen darauf hin, dass es sich bei der im Mai 1988 verkauften Regente möglicherweise nicht um die "Perle Napoleon" handelt.

Der Baroda-Perlenteppch

Der Perlenteppich des Gaeckwar von Baroda gehört zu den exquisitesten Perlenobjekten, die erhalten geblieben sind. Teppiche dieser Art stehen in Indien in einer langen Tradition und das Objekt reflektiert geradezu symbolhaft den Luxus und die Üpigkeit des Orients. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten Besucher des Palastes, wenn sie Glück hatten, den Teppich vor dem Thron des Besitzers ausgebreitet sehen. Der Anblick der im Sonnenlicht matt schimmernden Perlen muss überwältigend gewesen sein. Genauso stellt man sich 1001 Nacht vor …

Die Herstellung des Teppichs, der im "Book of the Pearl" von Kunz und Stevenson 1908 erwähnt wird, oblag Juwelieren aus Gujarat, die zur Gestaltung der ganz mit Saatperlen bedeckten Oberfläche sich arabesker Muster und Rosetten bedienten, die der Mogul-Tradition entliehen sind. Wahrscheinlich ließ man sich von der legendären, mit Juwelen besetzten Bedeckung für das Ehrengrabmal von Muntaz Mahal im Taj Mahal inspirieren, die von Shah Jahan in Auftrag gegeben worden war. Die Perlen, von denen jede einzelne durchbohrt und aufgezogen ist, sind so zusammengestellt, dass unterschiedliche Nuancen von Weiß in Wellen über die Oberfläche rollen, die zusammen mit der Aneinanderreihung des Lüsters jeder einzelnen Perle ein unvergleichliches Bild bieten. Zur Gestaltung der Oberfläche wurden wahrscheinliche etwa 1,4 Millionen kleiner Saatperlen verwendet, die Größe liegt im Bereich von 1 – 2 mm bis 2 – 3 mm, die Umrandung der Rosetten sind mit größeren Perlen bis zum 6 x 4 mm Größe ausgefasst. Das Gewicht der Perlen dürfte sich insgesamt auf 30.000 Karat (etwa 6 Kilogramm) belaufen. Darüber hinaus wurden mehr als 2.600 Diamanten, 1.300 Rubine, 600 Smaragde und farbige Glasperlen verwendet.

Über den Herstellungspreis gibt es unterschiedliche Angaben, die von 10 Millionen bis 60 Millionen Rupien gehen. 1988 wurde der Wert des Objektes mit etwa 10 Millionen Mark beziffert.

Der Maharadscha Gaikwad starb in London im Jahr 1968, seine zweite Frau Maharani Sita Devi erbte diesen bedeutenden Perlen Schatz und bis 1988 war er im Besitz der Sitadevifoundation. Der Perlen Teppich war bis in die 40er Jahre in Indien, soll dann im Gewölbe einer Bank in Genf geschlummert haben, bis er zum ersten Mal zur Auktion am 19. März 2009 angeboten wurde und für einen Preis von $5.458.500 von Sothebys versteigert wurde.

Die größte Perle der Welt

wurde von einem Fischer an der Küste der Palawan Insel auf den Philippinen gefunden: Sie ist 35 Kilogramm schwer, 30 Zentimeter breit und über einen halben Meter lang - das ist die bisher größte je gefundene Perle der Welt! (Stand Januar 2018). Ein internationales Edelsteinexperten-Team ermittelte den Wert der Perle: Er liegt derzeit bei umgerechnet 89 MILLIONEN EURO!